Wie gehen Rettungskräfte mit der Dauerbelastung um? Und wie verhalten sich Autofahrer richtig?

Von Franz Werfel / zum Originalbeitrag der SZ-Online

Man kennt die Namen der Autobahnabfahrten aus dem Verkehrsfunk: Dreieck Nossen, Siebenlehn, Hermsdorf, Frankenberg. Immer dann, wenn es auf den Autobahnen zu einem Unfall kommt, entstehen schnell kilometerlange Staus. Was viele längst vermutet haben, bekommt nun durch SZ-Recherchen eine traurige Gewissheit. Auf bestimmten Streckenabschnitten kommt es immer wieder zu besonders schweren Unfällen.

Die Polizei ermittelt diese sogenannten Unfallhäufungsstellen. Damit sind Streckenabschnitte in einer Fahrtrichtung gemeint, die maximal einen Kilometer lang sind und auf denen es in drei Jahren zu mehreren Unfällen mit Verletzten und Toten kam. Auf diese Streckenabschnitte richten die fünf Polizeidirektionen im Freistaat ein besonderes Augenmerk. In digitalen Drei-Jahres-Karten halten sie die Unfallstellen fest und beobachten sie permanent.

Mindestens einmal im Jahr tagen die Unfallkommissionen und beraten, ob und wie sie diese Stellen sicherer machen können. Das Verkehrs- und das Innenministerium sind in den Kommissionen ebenso vertreten wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) und die örtliche Polizei. Geschwindigkeitsbegrenzungen, neue Warnschilder oder vermehrte Geschwindigkeitskontrollen sind mögliche Maßnahmen, die die Unfallkommission beschließen kann.

Uwe Günther ist Stadtwehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Nossen. Seine Kameraden fahren etwa 120 Einsätze pro Jahr. Davon entfallen 80 Prozent auf den beiden Autobahnen A 4 und A 14 rund ums Nossener Dreieck. Das sind im Schnitt ein bis zwei Autobahneinsätze in jeder Woche. Uwe Günther kann nicht feststellen, dass die Unfälle oder ihre Intensität in den vergangenen Jahren zugenommen haben, im Gegenteil: „Erstmals haben wir in diesem Jahr weniger Unfälle auf den beiden Autobahnen um Nossen“, sagt er. Er weiß aber, dass die meisten Unfälle dann passieren, wenn sich die Witterung schlagartig ändert.

Mehr Autos sorgen für mehr Stau

Bedauert er es manchmal, dass alle seine Kameraden nur nebenberuflich Leben retten? „In bestimmten Situationen wären hauptamtliche Rettungskräfte schon hilfreich“, sagt Günther. Erreicht ein Notruf seine Mannschaft, weiß er nie ganz genau, wie viele Feuerwehrleute überhaupt verfügbar sind und zum Gerätehaus eilen. Mit seiner Ausrüstung ist er aber zufrieden, „da haben wir schon alles, was technisch möglich und für unsere Aufgaben nötig ist.“

Bildet sich nach einem Unfall ein Stau, ärgert nachfolgende Autofahrer besonders seine Dauer und Länge. Beide sind in der zunehmenden Verkehrsbelastung der Autobahnen begründet. Für diese sorgen immer mehr Pendler und Ausflügler. Uwe Günther: „Vor fünf Jahren hatten wir rund um Nossen viel weniger Verkehr.“ Bei der derzeitigen Verkehrsbelastung entstünden bei einem mittelschweren Unfall schnell mal fünf bis zehn Kilometer Stau. Hinzu kommt: Das Nossener Straßennetz eignet sich nach Ansicht des Stadtwehrleiters nicht gut für Umleitungen, was vor allem an den territorialen Begebenheiten liege. Auch deshalb sind Feuerwehr und Polizei bemüht, die Sperrungen möglichst kurz zu halten. Und längst nicht bei jedem Unfall sei eine Vollsperrung nötig. Liegt aber ein schwerer Unfall vor, kommt schnell eine Vollsperrung von zwei bis drei Stunden zusammen.

Und noch ein weiterer Grund spielt eine wichtige Rolle: Derzeit gibt es so viele Baustellen auf sächsischen Autobahnen wie lange nicht. Der Mann, der diese Baustellen plant, heißt Holger Wohsmann. Er ist Leiter für Planung und Straßenbau beim Lasuv. Wohsmann erklärt, dass manchmal bereits fertige Bauabschnitte noch nicht freigegeben werden. Aus Sicherheitsgründen. „Das Einrichten und Abbauen der Sperrungen für die Baustelle ist immer der größte Eingriff in den Verkehr und die größte Gefahrenquelle“, sagt er. Deshalb würden manche Sperrungen erst aufgehoben, wenn der komplette Bauabschnitt fertig ist. So erklärt sich auch, warum Autofahrer manchmal auf abgesperrten Autobahnbaustellen keine Bauarbeiter sehen.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Nossen und Umgebung kämpfen bei ihren Einsätzen derweil mit zwei Problemen: „Einmal spiegeln die Informationen, die beim Notruf eingehen, nicht unbedingt die Situation vor Ort wieder“, sagt Stadtwehrleiter Uwe Günther. Wenn die Feuerwehr aber nicht genau weiß, was sie am Unfallort erwartet, ist es schwieriger, sofort ad-äquat zu handeln. „Es kommt immer wieder vor, dass wir Fahrzeuge und Löscheinheiten nachordern müssen“, sagt er.

Und zweitens ärgern sich die Feuerwehrleute, wenn Neugierige ihre Arbeit oder Anfahrt behindern. „Viele wissen auch nicht, wie sie die Rettungsgassen korrekt bilden sollen“, sagt Uwe Günther. Zur Erinnerung: Bei zweispurigen Fahrbahnen kommen die Rettungsfahrzeuge durch die Mitte. Bei dreispurigen müssen die Autos auf den beiden rechten Fahrbahnen nach rechts ausweichen. Und noch etwas ist Uwe Günther wichtig. Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung. Darin heißt es: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.