20 Unfallschwerpunkte befinden sich auf der größten Fernstraße im Freistaat. Besserung ist nicht in Sicht.

Von Franz Werfel / zum Originalbeitrag der SZ-Online.

Dresden. Zweimal wöchentlich muss die Freiwillige Feuerwehr Nossen durchschnittlich in Richtung Autobahn ausrücken. Auf der A 4 und A 14 am Nossener Dreieck kommt es häufig zu Unfällen. Wegen der derzeit vielen Baustellen bilden sich dann innerhalb kurzer Zeit kilometerlange Staus.

Die sächsische Polizei identifiziert auf Autobahnen im Freistaat mittlerweile 34 Unfallhäufungsstellen. Das geht aus einer Aufstellung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) hervor, die der SZ vorliegt. Allein 20 dieser Stellen befinden sich auf der A 4. Als Unfallhäufungsstellen auf Autobahnen gelten Streckenabschnitte in einer Fahrtrichtung, die maximal einen Kilometer lang sind und auf denen es in den letzten drei Jahren zu mehreren Unfällen mit Verletzten und Toten kam. Polizeikommissar Ralf Vogt aus Dresden sagt: „Dabei ist nicht entscheidend, wie viele Unfälle es auf der Strecke insgesamt gab.“ Blechschäden fließen in die Statistik nicht ein. Umso genauer würden Unfallhergang und -ursache analysiert.

Besonders in zwei sächsischen Regionen ballen sich diese Unfallhäufungsstellen: zum einen rund um das Dreieck Nossen (5) und zum anderen auf der A 4 zwischen Frankenberg und Chemnitz-Glösa in beiden Fahrtrichtungen (4).

Oft sind bei der Analyse aber keine strukturellen Trends erkennbar. So sagt Henrik Liers von der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden der SZ: „Die Unfallursachen am Dreieck Nossen sind typisch. Sehr häufig wurde ein zu geringer Sicherheitsabstand gehalten, die Geschwindigkeit war den Verkehrsverhältnissen nicht angepasst, und die Fahrer waren unaufmerksam oder gar abgelenkt.“ Ein grundsätzliches Problem sieht Liers an den Unfallschwerpunkten rund ums Nossener Dreieck also nicht. Im Gegenteil: Die überwiegende Anzahl individueller Fehler spreche dafür, dass infrastrukturelle Maßnahmen keinen allzu großen Effekt haben würden.

Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert weist darauf hin, dass die Unfallkommission an einigen Stellen bereits Tempolimits von 120 Stundenkilometern eingeführt hat. Dies müsse jedoch immer behutsam geschehen, da weitere Geschwindigkeitslimits gegebenenfalls zu neuen Konfliktsituationen führen könnten.

Zurzeit kommen neben der Ferienzeit die vielen Baustellen auf sächsischen Autobahnen als Verkehrshindernisse hinzu. Diese unterhält das Lasuv vor allem auf der A 4, da Sachsens größte Autobahn in den Sommerferien als West-Ost-Achse nicht so stark frequentiert ist wie sonst. Viele Pendler machen gerade auch Urlaub.