Freiwillige Feuerwehr Wilsdruff
Allgemeine New´s

Feuerwehren laufen die Leute weg

Juni 5, 2010 · Kommentar schreiben 

Überalterung und Wegzug bedrohen das Feuerwehr-System im Freistaat.

Leipzig. Der demografische Wandel und die Abwanderung bedrohen das System der freiwilligen Feuerwehren in Sachsen. Pro Jahr gingen unterm Strich 1000 Aktive verloren, sagte der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Siegfried Bossack, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Vielerorts seien die Feuerwehren überaltert; der Nachwuchs aus den Jugendfeuerwehren könne die Austritte wegen des Erreichens der Altersgrenzen nicht kompensieren. „Bislang funktioniert das System in Sachsen gerade noch so“, sagte Bossack. „Aber wenn es nicht gelingt, diese Entwicklung aufzuhalten, dann kann es dramatisch werden.“ Landesweit gebe es derzeit knapp 49000 Aktive.

In Sachsen seien schon Feuerwehren wegen Überalterung oder eines Mangels an Führungskräften geschlossen worden. „Bislang konnte das kompensiert werden durch die Zusammenlegung mehrerer Wehren“, sagte Bossack. Endlos könne man das aber nicht ausdehnen, weil irgendwann einfach die Anfahrtswege zu lang werden. „Dann nutzt auch die modernste Technik alles nichts, wenn wir erst nach einer Stunde da sind.“ Ziel der Brandschützer sei es, zehn Minuten nach Ausbrechen des Alarms am Einsatzort zu sein.

Für Bossack ist es dringend notwendig, die Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr zu verbessern. „Wir brauchen die Anerkennung des Ehrenamtes – aber nicht nur in schönen Sonntagsreden. Die Leute machen es nicht wegen des Geldes, aber wir sind trotzdem der Meinung, dort könnte man was tun.“ Der Verbandschef schlägt zum Beispiel vor, freiwillige Feuerwehrleute mit einer Jahreskarte fürs Schwimmbad oder einem Feuerwehrfest zu belohnen. Das könne von Ort zu Ort ruhig unterschiedlich sein. „Die Gemeinde hat hier eine hohe Verantwortung. Die Feuerwehr ist schließlich die einzige Pflichtaufgabe, die ehrenamtlich erfüllt wird.“

Nicht genug Lehrgänge

Bossack beklagte noch mehr „Baustellen“. So gebe es an der Landesfeuerwehrschule seit Jahren Engpässe, so dass nicht genug Lehrgänge angeboten werden. „Wir können ja nicht sagen, wir senken deswegen das Niveau bei der Ausbildung ab. Das ist wie beim Führerschein, da kann man ja auch nicht die Vorfahrtsregeln weglassen.“ Auch beim „Blaulicht-Gesetz“, dem Gesetz zum Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, müssten aus Sicht des Verbandes einige Passagen verändert werden. Bossack: „Das ist alles sehr zählebig. Uns drängt es aber eigentlich.“

Die größten Hoffnungen für die Zukunft des Feuerwehr-Systems setzt Bossack in die Jugendarbeit. „Das fängt mit der Brandschutzerziehung in den Schulen an, um die Kinder, die noch da sind, für die Feuerwehr zu interessieren.“ Die Jugendfeuerwehren würden vom Freistaat stark unterstützt, lobte Bossack. Eine Kampagne mit dem Titel „Helden gesucht“ zeige auch Wirkung. Erstmals seit Jahren sei die Mitgliederzahl bei den Jugendfeuerwehren wieder gestiegen – auf mehr als 10000. (dpa)

Quelle: SZ-Online.de

Schreiben Sie ihre Meinung auf

Teilen Sie uns mit, was Sie darüber denken...

Freiwillige Feuerwehr Wilsdruff